Die Harnblase ist ein Organ, das den in den Nieren produzierten Urin speichert. Sie besteht aus einem beutelförmigen Muskel, der etwa 500 Milliliter Urin fassen kann. (Abb. 1a und b).
Die meisten Menschen spüren die Füllung ihrer Harnblase, wenn sie etwa zur Hälfte gefüllt ist. Um die Blase zu entleeren, müssen Sie in der Lage sein, sich zu entspannen. Das heißt für gewöhnlich, sich in einer passenden Umgebung aufzuhalten, also einer Toilette oder in einem privaten Raum. Das Gehirn sendet dann das Signal an die Blase, mit dem Herauspressen des Urins zu beginnen.
Wie häufig Sie Wasser lassen, hängt von vielen Faktoren ab – vor allem aber davon, wieviel Sie trinken. Die meisten Menschen urinieren seltener als acht Mal am Tag und höchstens einmal während der Nacht.
Was sind die Symptome einer überaktiven Blase?
Die Symptome der überaktiven Blase sind eine Sammlung von Urinspeichersymptomen. Zu den Speichersymptomen zählen:
- Plötzlicher Harndrang, der sich nur schwierig aufschieben lässt
- Jeglicher unfreiwillige Urinverlust
- Das Bedürfnis, öfter als gewöhnlich Wasser zu lassen
- Das Bedürfnis, nachts aufzuwachen, um zu urinieren
Symptome einer überaktiven Blase sind verbreitet und können Männer und Frauen betreffen. 10-20% aller Menschen sind irgendwann im Laufe ihres Lebens davon betroffen.
Ursachen einer überaktiven Blase
Symptome der überaktiven Blase können verschiedene Ursachen haben:
- Einige Patienten leiden unter plötzlichen und spontanen Kontraktionen ihrer Blasenmuskulatur
- Einige Menschen reagieren empfindlicher auf das Füllungsgefühl ihrer Blase
- In manchen Fällen produzieren die Nieren in der Nacht zu viel Urin, was zu einer Nykturie führt. Dies kann mit dem fortgeschrittenen Alter der Betroffenen zusammenhängen oder mit bestimmten Begleiterkrankungen
- Manche Menschen haben eine kleinere Blase, die ihre Kapazität schneller erreicht. Aber das ist nicht sehr häufig
Diagnostik der überaktiven Blase
- 1 Krankengeschichte
- 2 Körperliche Untersuchung
- 3 Urinuntersuchung
- 4 Miktionstagebuch (Blasentagebuch)
- 5 Harnflussmessung (Uroflowmetrie)
- 6 Bildgebende Untersuchung der Harnblase
- 7 Blasenspiegelung
- 8 Urodynamische Untersuchung
Der Arzt führt eine Reihe von Tests durch, um herauszufinden, was Ihre Symptome verursacht. Das wird als Diagnostik bezeichnet. Symptome einer überaktiven Blase (OAB) können auf andere Erkrankungen hinweisen. Zur Diagnostik gehört auch das Ausschließen anderer möglicher Erklärungen für die Symptome, zum Beispiel einer Harnwegsinfektion oder eines Diabetes mellitus.
Als erstes wird der Arzt oder die Pflegekraft Ihre Krankheitsgeschichte erfragen und eine körperliche Untersuchung durchführen. Wenn nötig, werden noch weitere Tests durchgeführt.
Dieser Abschnitt enthält allgemeine Informationen über die Diagnostik einer überaktiven Blase und die Voraussetzungen können von Land zu Land unterschiedlich sein.
Krankengeschichte
Der Arzt wird Ihre vollständige Krankengeschichte erfragen und Ihnen Fragen zu Ihren Symptomen stellen. Sie können Ihrem Arzt dabei helfen, indem Sie sich für die Sprechstunde vorbereiten:
- Beschreiben Sie Ihre aktuellen Beschwerden
- Notieren Sie, wie lange Sie diese Symptome bereits hatten
- Erstellen Sie eine Liste der Medikamente, die Sie einnehmen
- Erstellen Sie eine Liste der chirurgischen Eingriffe, denen Sie sich bereits unterzogen haben
- Erwähnen Sie andere Erkrankungen, an denen Sie leiden
- Beschreiben Sie Ihren Lebensstil (Bewegung, Rauchen, Alkohol und Ernährung)
Körperliche Untersuchung
Ihr Arzt oder Ihre Pflegekraft wird eine allgemeine körperliche Untersuchung durchführen und dabei besonders auf die folgenden Bereiche achten:
- Ihren Bauch
- Ihr Geschlechtsorgan
- Nerven in Ihrem Rücken
Urinuntersuchung
Sie werden um eine Urinprobe für die Untersuchung gebeten. Dieser Test zeigt, ob Sie eine Harnwegsinfektion haben und ob Spuren von Blut oder Zucker im Urin sind.
Miktionstagebuch (Blasentagebuch)
Ihr Arzt kann Sie bitten, ein Miktionstagebuch zu führen. Darin können Sie notieren, wie viel Sie trinken, wie oft Sie Wasser lassen und wie viel Urin Sie produzieren. Das Miktionstagebuch ist wichtig, denn es hilft Ihrem Arzt, Ihre Symptome besser zu verstehen. Sie können hier ein Miktionstagebuch herunterladen.
Harnflussmessung (Uroflowmetrie)
Dies ist ein einfacher Test, der Ihren Harnfluss elektronisch aufzeichnet. Er lässt sich einfach im Krankenhaus oder in der Praxis durchführen. Dabei urinieren Sie in einen Behälter, das Uroflowmeter (Abb. 1). Dieser Test hilft Ihrem Arzt zu klären, ob es irgendwelche Hindernisse in Ihren Harnwegen gibt.
Bildgebende Untersuchung der Harnblase
Bei einer Sonografie, auch bekannt als Ultraschall, werden hochfrequente Schallwellen verwendet, um ein Bild Ihrer Blase zu erzeugen.
Der Arzt wird Ihre Blase untersuchen, um zu prüfen, wie viel Urin nach dem Wasserlassen in der Blase zurückbleibt (Restharn). Diese Information hilft zu beurteilen, ob Ihre Symptome durch einen Harnverhalt in der Blase nach dem Wasserlassen verursacht werden.
Blasenspiegelung
Wenn Blut im Urin ist, muss Ihre Harnblase untersucht werden. Der Arzt verwendet dafür eine Art Endoskop – Zystoskop genannt – um in das Innere Ihrer Blase zu sehen, üblicherweise unter Lokalanästhesie.
Urodynamische Untersuchung
Eine urodynamische Untersuchung wird durchgeführt, um weitere Informationen über Ihren Harnzyklus und der Funktion Ihrer Blasenmuskulatur zu erhalten. Während der Untersuchung führt der Arzt Katheter in Ihre Harnröhre und Ihren Enddarm ein, um den Druck in Ihrer Harnblase und in Ihrem Bauchraum zu messen.
Selbsthilfemaßnahmen bei überaktiver Blase
Die Symptome der überaktiven Blase sind oft belastend aber nicht lebensbedrohend. Sie können für lange Zeit anhalten und es gibt keine einfache Heilung. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. In den meisten Fällen werden als erster Schritt Selbsthilfemaßnahmen angeboten. Es ist üblich, verschiedene Behandlungsmöglichkeiten auszuprobieren, um die für Ihre individuelle Situation beste herauszufinden. Sie können dieses Thema mit Ihrem Arzt besprechen.
Ihre Symptome können Sie aktiv beeinflussen. Die folgenden Selbsthilfemaßnahmen können Ihnen dabei helfen:
- Gemeinsam mit Ihrem Arzt können Sie Änderungen besprechen, wann, was und wie viel Sie trinken
- Wenn Urinverlust ein Problem darstellt, kann Ihr Arzt Ihnen empfehlen, eine saugfähige Vorlage zu tragen, um ein Durchnässen Ihrer Kleidung zu verhindern
- Wenn Ihr Arzt es empfiehlt, versuchen Sie den Urin immer länger anzuhalten, sobald Sie den Drang zum Wasserlassen verspüren. Dies wird Ihre Blase trainieren und schrittweise die Zeit zwischen den Toilettengängen verlängern
- Die Beckenbodenmuskulatur kann mit dem Alter schwächer werden. Das Zusammenziehen der Beckenbodenmuskeln, bekannt als Kegel-Übung, kann Ihnen helfen, den dringenden Harndrang zu unterdrücken und die Muskelkraft wieder aufzubauen
Nützlicher Link
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Ratschläge zur Lebensführung
Zusätzlich können Änderungen Ihrer allgemeinen Lebensführung helfen, Ihre Symptome zu beherrschen und Ihre Lebensqualität zu verbessern.
- Trinken Sie mindestens 1-1.5 Liter pro Tag und fragen Sie Ihren Arzt, ob Sie auch mehr trinken können
- Trinken Sie mehr, wenn Sie in einer heißen Klimazone leben oder sich viel körperlich anstrengen
- Trinken Sie weniger vor und während langer Reisen
- Trinken Sie weniger am Abend, um nächtliches Wasserlassen zu vermeiden
- Reduzieren Sie Ihren Alkohol- und Koffeinkonsum, da sie die Urinproduktion steigern und die Harnblase irritieren
- Bestimmte Nahrungsmittel können die Harnblase irritieren und die Symptome einer überaktiven Blase verschlimmern. Es kann hilfreich sein, künstliche Süßstoffe, scharfe Speisen, Zitrusfrüchte und -säfte, Koffein und Softdrinks zu meiden
- Erhalten Sie ein gesundes Körpergewicht (Ihr Body-Mass-Index sollte zwischen 18-25 kg/m2 liegen). Eine Gewichtsreduktion kann zu einer Verbesserung Ihrer Urinverlust-Symptome führen.
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Medikamentöse Therapie der überaktiven Blase
- Muskarin-Rezeptor-Antagonisten
- Beta-3-Agonisten
- Desmopressin
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Bei etwa einem Drittel der Patienten bleiben die Selbsthilfemaßnahmen erfolglos (siehe Selbsthilfemaßnahmen bei überaktiver Blase). Verbessern Selbsthilfemaßnahmen Ihre Beschwerden nicht, kann Ihr Arzt eine medikamentöse Therapie vorschlagen. Dieses Kapitel beschreibt verschiedene Gruppen von Arzneimitteln. Gemeinsam mit Ihrem Arzt können Sie entscheiden, welcher Ansatz für Sie der beste ist.
Zu den Faktoren, die diese Entscheidung beeinflussen, gehören:
- Ihre Symptome
- Ihre Krankengeschichte
- Jegliche anderen Arzneimittel, die Sie einnehmen
- Die in Ihrem Land erhältlichen Medikamente
- Ihre persönlichen Vorlieben und Werte
Dieses Kapitel bietet allgemeine Information über die medikamentöse Behandlung der Symptome der überaktiven Blase. Die Voraussetzungen können von Land zu Land variieren.
Es gibt mehrere Gruppen von Arzneimitteln, die zur Behandlung der überaktiven Blase eingesetzt werden:
- Muskarin-Rezeptor-Antagonisten
- Beta-3-Agonisten
- Desmopressin
Muskarin-Rezeptor-Antagonisten
Die Muskarin-Rezeptor-Antagonisten (MRAs) sind eine Gruppe von Arzneimitteln, die krankhafte Kontraktionen der Harnblase reduzieren und den Harndrang lindern. Sie sind die am häufigsten empfohlene Medikamentengruppe zur Behandlung der Symptome der überaktiven Blase. Es gibt mehrere Typen von MRAs:
- Darifenacin
- Fesoterodin
- Oxybutynin
- Propiverin
- Solifenacin
- Tolterodin
- Trospiumchlorid
Die Nebenwirkungen der MRAs sind für gewöhnlich mild. Dazu können Mundtrockenheit, trockene Augen, Sodbrennen und Verstopfung gehören. In seltenen Fällen können sie auch Symptome einer gewöhnlichen Erkältung, Sehstörungen und Benommenheit sowie Schwierigkeiten beim Wasserlassen verursachen.
Beta-3-Agonisten
Beta-3-Agonisten sind eine neue Klasse von Medikamenten, die Symptome der überaktiven Blase lindern, indem sie krankhafte Kontraktionen der Harnblase reduzieren, ähnlich wie die MRAs. Derzeit wird nur der Wirkstoff Mirabegron für die Behandlung der überaktiven Blase eingesetzt.
Mirabegron wird empfohlen, wenn Ihre Symptome sich unter der Einnahme von MRAs nicht gebessert haben oder wenn Sie unter belastenden Nebenwirkungen der MRAs leiden. Die Nebenwirkungen von Mirabegron sind für gewöhnlich mild.
Desmopressin
Desmopressin verringert die Urinmenge, die der Körper produziert. Dieses Medikament wird empfohlen, wenn Ihr wichtiges Symptom der überaktiven Blase eine Nykturie ist. Desmopressin kann die Male reduzieren, die Sie aufwachen, um die Toilette zu benutzen und Ihnen mehr Stunden ungestörten Schlafes bescheren. Es ist als Tablette, als Nasenspray oder als Schmelztablette erhältlich und wird direkt vor dem Einschlafen eingenommen. Die Wirkdauer beträgt 8-12 Stunden.
Desmopressin kann einen Abfall des Natriumspiegels in Ihrem Blut verursachen. Deshalb ist es üblich, Ihre Blutwerte vor und während der Behandlung zu überprüfen. Weniger häufig führt es zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Bauchschmerzen, Benommenheit oder Mundtrockenhaut. In seltenen Fällen kann Desmopressin einen Bluthochdruck verursachen sowie Schwellungen der Füße und Knöchel (auch als peripheres Ödem bekannt).
Reservetherapie der überaktiven Blase
- 1 Botulinumtoxin
- 2 Nervenstimulation
- 3 Tibiale Nervenstimulation
- 4 Sakralnervenstimulation
- 5 Harnblasenchirurgie
Manchmal reichen die vom Arzt verschriebenen Medikamente nicht aus, um Ihre Symptome zu lindern. In diesen Fällen stehen andere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Zusammen mit Ihrem Arzt können Sie entscheiden, welcher Ansatz für Sie der beste ist.
Dieses Kapitel enthält allgemeine Informationen über die Reservetherapie von Symptomen der überaktiven Blase und die Voraussetzungen können in verschiedenen Ländern unterschiedlich sein.
Gebräuchliche Therapieoptionen für Symptome der überaktiven Blase:
- Injektion von Botulinumtoxin in die Harnblase
- Nervenstimulation, auch als Neuromodulation bezeichnet
- Chirurgie zur Vergrößerung des Blasenvolumen
Botulinumtoxin
Das vor allem unter dem Markennamen Botox® bekannte Botulinumtoxin wird häufig in der Ästhetischen Chirurgie verwendet. Bei Symptomen einer überaktiven Blase wird das Nervengift in die Wand der Harnblase gespritzt, um die Aktivität der für die Symptome verantwortlichen Nerven zu reduzieren. Diese Therapie kann den Harndrang und die Häufigkeit des Wasserlassens verringern und eine Dranginkontinenz lindern.
Botulinumtoxin-Injektionen werden in der Regel in örtlicher Betäubung durchgeführt. Manchmal werden andere Betäubungsverfahren eingesetzt. Der Arzt verwendet eine Art Endoskop, das sogenannte Zystoskop, um durch Ihre Harnröhre in Ihre Harnblase zu gelangen. Das Zystoskop verfügt über eine kleine Kamera, die ein hochauflösendes Bild Ihrer Harnblase auf einem Videomonitor zeigt. Der Arzt spritzt eine geringe Dosis Botulinumtoxin in verschiedene Bereiche Ihrer Blasenwand (Abb. 1).
Abb. 1: Botulinumtoxin wird in die Blasenwand gespritzt. Nervenstimulation
Die Nervenstimulation, auch als Neuromodulation bekannt, ist eine Behandlung, die elektrische Signale nutzt, um die Sakralnerven zu stimulieren, die Harnblase kontrollieren. Es gibt zwei Arten von Nervenstimulation:
- Die tibiale Nervenstimulation verwendet eine Nadelelektrode in Höhe des Knöchels (Abb. 2).
- Bei der sakralen Nervenstimulation wird ein Schrittmacher in Ihren unteren Rücken eingepflanzt (Abb. 3).
Tibiale Nervenstimulation
Bei der tibialen Nervenstimulation leitet Ihr Arzt elektrischen Strom über eine Nadelelektrode in Ihren Knöchelbereich. Die Nadel sticht durch die Haut und stimuliert den Schienbeinnerv (Tibianerv), der vom inneren Knöchel das Bein entlang bis hinauf zu den Kreuzbeinnerven verläuft (Abb. 2).
Ein Behandlungszyklus zur tibialen Nervenstimulation umfasst im Allgemeinen zwölf Sitzungen. Die Therapiesitzungen finden einmal pro Woche in einer Klinik statt und dauern für gewöhnlich 30 Minuten. Der Effekt lässt mit der Zeit nach und Sie werden wahrscheinlich weitere Behandlungszyklen benötigen.
Sakralnervenstimulation
Die Sakralnervenstimulation wird in zwei Stufen durchgeführt. Zunächst sticht der Arzt eine Elektrode durch die Haut und testet, ob Ihre Symptome der überaktiven Blase auf die Nervenstimulation reagiert. Ist das der Fall, wird Ihnen in einem chirurgischen Eingriff ein programmierbarer Schrittmacher über dem Beckenboden eingepflanzt. Die Elektrode verbindet den Impulsgenerator mit dem Stimulationsbereich der Sakralnerven (Abb. 3). Nach der Operation können Sie den Schrittmacher über ein Gerät außerhalb des Körpers steuern. Das Gerät kontrolliert die elektrische Stimulation der Nerven, die die Harnblase erreichen. Durch Veränderung der Nervenstimulation können Sie die Überaktivität Ihrer Harnblase reduzieren. Die Sakralnervenstimulation kann Ihre Symptome sehr gut lindern.
Nach der Operation gibt es ein Infektionsrisiko und Sie können Schmerzen im Bereich der Implantation spüren. Im Laufe der Zeit können Schrittmacher oder Elektrode im Körper wandern und Beschwerden verursachen. Es kann auch zu einem Versagen der Schrittmacherbatterie kommen. Wenn Ihnen das passiert, werden Sie einen neuen Eingriff benötigen, um die Batterie zu erneuern. Besprechen Sie alle Bedenken, die Sie wegen dieser Risiken haben, mit Ihrem Arzt.
Abb. 2: Tibiale Nervenstimulation.
Abb. 3: Sakralnervenstimulation. Harnblasenchirurgie
Falls sich Ihre Symptom durch die Medikamente oder andere Behandlungen nicht gebessert haben, könnte eine Operation Ihrer Harnblase erforderlich sein. Ziel des Eingriffs ist, die Kapazität der Blase zu vergrößern. Das wird den Druck in der sich füllenden Blase verringern, so dass sie mehr Urin halten kann.
Der Arzt setzt einen Schnitt in Ihrem Unterbauch und benutzt ein Stück Ihres Darms, um die Harnblase zu vergrößern. Diese Prozedur wird Blasenaugmentation oder Clam-Zystoplastik genannt und heutzutage selten durchgeführt (Abb. 4). Wird Ihnen diese Operation empfohlen, sollten Sie deren Folgen und Nebenwirkungen mit Ihrem Arzt besprechen, denn diese können gravierend sein.
Abb. 4: Harnblasenoperation zur Vergrößerung der Blasenkapazität.
Mit überaktiver Blase leben
Auch wenn die Symptome der überaktiven Blase nicht lebensbedrohend sind, haben sie für gewöhnlich doch einen negativen Einfluss auf Ihre Lebensqualität. Verschiedene Menschen gehen unterschiedlich mit ihren Symptomen und den möglichen Nebenwirkungen der Therapie um. Ihre persönlichen Vorlieben und Werte sowie der Einfluss, den Symptome der überaktiven Blase auf Ihr tägliches Leben sollten nicht unterschätzt werden.
Lebensqualität umfasst sowohl körperliche als auch psychologische Gesundheit. Es ist wichtig, sich nicht nur gesund zu fühlen, sondern auch frei von dem psychologischen Druck, mit Symptomen der überaktiven Blase zu leben.
Symptome wie Harndrang oder das Bedürfnis, häufig Wasser zu lassen, haben vermutlich einen negativen Effekt auf Ihre Lebensqualität. Wer unter Symptomen der überaktiven Blase leidet, muss oft die Standorte von Toiletten recherchieren, bevor er das Haus verlässt, und läuft Gefahr, Aktivitäten gänzlich zu vermeiden. Der Schlafmangel durch nächtliches Aufwachen zum Wasserlassen kann darüber hinaus Ihren Energiespiegel senken und so das Aufrechterhalten Ihrer täglichen Aktivitäten erschweren. Führt Harndrang zu Urinverlust, kann das zu peinlichen Situationen führen und Ihre Selbstachtung beeinträchtigen.
Diese Probleme können auch Auswirkungen auf Ihre Angehörigen haben. So kann zum Beispiel Ihr Partner durch Ihre nächtlichen Toilettenbesuche aufgeweckt werden. Es kann sein, dass Sie wegen Ihrer Symptome der überaktiven Blase gesellschaftliche Aktivitäten meiden. Das kann ebenfalls das gesellschaftliche Leben Ihres Partners beeinträchtigen und zu einem Gefühl der Vereinsamung führen, das Sie und Ihre Angehörigen davon abhält, Ihr Leben im Ganzen zu genießen.
Es gibt viele Wege, die Symptome unter Kontrolle zu bringen. Sie sollten Sie nicht davon abhalten, glückliche Beziehungen zu führen und am gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben Ihrer Gemeinschaft teilzunehmen. Suchen Sie Hilfe, wenn Ihre Symptome Sie belasten: Fragen Sie Ihren Hausarzt, einen Allgemeinmediziner oder einen Urologen.
Hilfe suchen
Symptome der überaktiven Blase treten mit steigendem Alter häufiger auf. Dennoch sollten sie nicht als normale Alterserscheinung angesehen werden oder als unbehandelbares Problem. Wenn Sie belastende Symptome haben, ist es wichtig, dass Sie zu Ihrem Arzt gehen und sich nicht scheuen, mit ihm über Ihre Situation zu sprechen.

